Blog-Artikel

Was REACH und RoHS konkret für Ihre Bauteile bedeuten

Flavien Baury
,
18/5/2026
Zusammenfassung

Was bedeuten REACH und RoHS für Einkäufer von Präzisionsbauteilen?

Wer im industriellen Einkauf oder in der Konstruktion arbeitet, kennt den Druck gut: Lieferantenqualifizierungen absichern, Lastenheften erfüllen, Audits bestehen. Jahrelang war Compliance ein Thema, das man dem Qualitätsteam überließ. Das stimmt noch — aber REACH und RoHS sind heute Einkaufskriterien, keine reinen Qualitätskriterien.

Kerbstifte, Gewindeeinsätze und Distanzhülsen: Beide Verordnungen können für dieselbe Bauteilreferenz gleichzeitig gelten. Die Frage ist nicht, ob Sie betroffen sind — sondern ob Ihr Lieferant die richtigen Nachweise liefern kann.

Zwei Texte, zwei Logiken — aber eine gemeinsame Anforderung

REACH (Verordnung EG Nr. 1907/2006) ist eine horizontale Regulierung: Sie erfasst alle Stoffe, die im Europäischen Wirtschaftsraum hergestellt, importiert oder verwendet werden — unabhängig vom Sektor. Für einen Hersteller von Präzisionsbauteilen betrifft das Rohstoffe, Legierungen, Oberflächenbehandlungen und Prozessschmierstoffe. Das Grundprinzip lautet: Keine Daten, kein Marktzugang. Jeder Stoff, der in einer Menge von mehr als einer Tonne pro Jahr produziert oder importiert wird, muss bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) registriert werden.

RoHS (Richtlinie 2011/65/EU, geändert durch 2015/863/EU) ist eine sektorspezifische Richtlinie: Sie beschränkt oberhalb festgelegter Grenzwerte zehn gefährliche Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (EEG). Ein Gewindeeinsatz oder ein Kerbstift, der in eine Leiterplatte, ein Steuergehäuse oder ein eingebettetes System integriert wird, fällt in diesen Anwendungsbereich. Die RoHS-Konformität ist heute an die CE-Kennzeichnung des Endprodukts gebunden.

Der entscheidende Unterschied für Ihre Beschaffung

REACH wirkt auf die gesamte chemische Lieferkette vorgelagert — bis hin zum Rohstoff. RoHS wirkt auf das Endprodukt nachgelagert, zum Zeitpunkt der Markteinführung. Ein rein mechanisches Bauteil ohne Elektronikbezug ist nicht von RoHS betroffen — unterliegt aber vollständig REACH, wenn seine Werkstoffe besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) enthalten. Ein und dasselbe LGC-Bauteil kann beiden Verordnungen gleichzeitig unterliegen. Beide Pflichten bestehen nebeneinander — und müssen getrennt dokumentiert werden.

Was das für Ihre Beschaffung in der Praxis bedeutet

Die relevante Frage für einen Einkäufer oder Qualitätsverantwortlichen ist nicht „Was ist REACH?" — sondern: Was muss mein Lieferant nachweisen können, und wann?

Die drei Prüffragen für jede Bauteilreferenz

Für jede Referenz, die Sie beziehen oder qualifizieren, empfiehlt sich folgende Prüfreihenfolge:

Enthält dieses Bauteil SVHC aus der ECHA-Kandidatenliste? Wenn ja und bei mehr als 0,1 % Massenanteil: Informationspflicht gegenüber dem Kunden, SCIP-Meldung bei der ECHA, und ggf. Zulassungsantrag nach Anhang XIV von REACH. Ihr Lieferant muss eine aktuelle SVHC-Erklärung und ein konformes Sicherheitsdatenblatt (SDB) bereitstellen.

Wird dieses Bauteil in ein Elektro- oder Elektronikgerät integriert? Wenn ja: RoHS-Konformität je homogenem Werkstoff nachfordern, eine IEC-62474-Erklärung sowie — bei kritischen Werkstoffen — XRF-Analyseergebnisse verlangen. Eine Distanzhülse, die auf einer Leiterplatte verschraubt wird, fällt in diese Kategorie.

Ist die Dokumentation prüffähig und aktuell? Die SVHC-Liste der ECHA wird regelmäßig aktualisiert, RoHS-Ausnahmeregelungen haben Ablaufdaten. Ein einmalig erstelltes Dossier ist kein Compliance-Dossier. Jährliche Revision und ein Warnprozess bei Listenänderungen sind Mindestanforderung.

Die Stoffe, die Ihre Metallbauteile direkt betreffen

Für Einkäufer von Befestigungs- und Präzisionsbauteilen aus Stahl, Edelstahl oder Aluminium konzentriert sich der Prüfaufwand auf zwei Stoffe: sechswertiges Chrom (Cr VI) und Blei (Pb). Ersteres findet sich in bestimmten Oberflächenbehandlungen (klassische Chromatierung), Letzteres in bestimmten Automatendrehlegierungen oder Lötverbindungen. Beide sind gleichzeitig durch RoHS beschränkt und unter REACH als SVHC eingestuft — doppelte Anforderung, doppelte Dokumentation.

RoHS beschränkt aktuell zehn Stoffe je homogenem Werkstoff: Blei, Quecksilber, Cadmium, sechswertiges Chrom, PBB und PBDE (seit 2006) sowie DEHP, BBP, DBP und DIBP (vier Phthalate, seit 2019). Der Grenzwert liegt bei 0,1 % (1.000 ppm) für alle Stoffe außer Cadmium, für das 0,01 % (100 ppm) gilt.

Warum ein europäischer Hersteller wie LGC Industries die Antwort vereinfacht

Es gibt eine direkte Antwort auf diese Dokumentationslast: Bauteile bei einem Hersteller beziehen, dessen Prozesse, Werkstoffe und Nachweise bereits strukturiert und auditierbar sind. Das klingt einfach, weil es das ist — wenn der richtige Lieferant qualifiziert ist.

Produziert in Frankreich, dokumentiert für Ihre Audits

LGC Industries fertigt Kerbstifte, Gewindeeinsätze Intervis®, Distanzhülsen und kundenspezifische Präzisionsteile seit 1934 in Avrillé, im Herzen der französischen Industrie. Die gesamte Produktion findet innerhalb der Europäischen Union statt.

Für Kunden, die diese Bauteile in EEG integrieren, stellt LGC auf Anfrage bereit: SVHC-Erklärungen je Produktreferenz, RoHS-Konformitätserklärungen im Format IEC 62474, aktualisierte Sicherheitsdatenblätter für Oberflächenbehandlungen sowie die Bestätigung der Abwesenheit von Chrom VI und Blei in den verwendeten Werkstoffen und Behandlungen. Technische Dossiers nach EN IEC 63000:2018 sind für Teile verfügbar, die für EEG bestimmt sind.

Zertifizierungen, die nicht nur auf dem Papier existieren

Die IATF 16949, ISO 9001 und Ford Q1-Zertifizierungen von LGC Industries sind im Automotive-Sektor keine Formalität, sondern Voraussetzung für die Lieferantenqualifikation bei Bosch, Continental, Renault, Stellantis oder Schneider Electric. Sie stehen für eine Rückverfolgbarkeit auf Fertigungsebene, die angesichts wachsender Scope-3-Anforderungen zunehmend gefragt ist.

Die EcoVadis Silver-Zertifizierung bescheinigt eine durch unabhängige Dritte geprüfte CSR-Leistung: Energiemanagement, Emissionsreduzierung, Beschaffungsnachverfolgung. Die Daten dahinter sind dokumentiert und auditierbar — eine belastbare Basis für Einkäufer, die gegenüber ihren eigenen Kunden oder Konzernvorgaben Nachhaltigkeitsnachweise erbringen müssen.

REACH und RoHS sind der erste Schritt, nicht der letzte

Wer die Regulierungsentwicklung der letzten Jahre beobachtet hat, weiß: REACH und RoHS sind Teil einer grundlegenden Bewegung. Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, die CSRD-Richtlinie, die internen Scope-3-Anforderungen großer Industriekonzerne — die Transparenzpflichten entlang der gesamten Supply Chain nehmen zu. Der Kohlenstoffgrenzausgleichsmechanismus (MACF/CBAM) setzt ab 2026 einen weiteren wirtschaftlichen Hebel an.

In diesem Umfeld misst sich der Wert eines Lieferanten nicht mehr allein an Preis oder Reaktionsschnelligkeit. Er misst sich auch an der Fähigkeit, jederzeit eine prüffähige Dokumentation über die Zusammensetzung seiner Teile, die Rückverfolgbarkeit seiner Werkstoffe und die Konformität seiner Prozesse vorzulegen. Ein europäischer Hersteller mit dokumentierten, auditierbaren Prozessen ist in diesem Umfeld kein Nice-to-have. Er wird zur strategischen Anforderung.

Offizielle Quellen und weiterführende Links

Die maßgeblichen Referenzen für Ihre REACH- und RoHS-Compliance-Arbeit:

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